Ein blog über kunst und literatur von und mit dem künstler und dichter Murat Kayali.

Ein unerwarteter Tag
mit seinen glitschigen Händen
hat mich reingezogen in die Leere.
Und in der Leere
sitze ich und schlafe,
laufe, gehe ich
und hänge.
In der Leere
weine ich, lache ich über
meine Kindheit.
Träume von unerwarteten Zeiten.
Und ich rufe die Namen von denen,
die ich gerne bei mir hätte.
Die mich aus der Dunkelheit befreien,
rausholen aus der Leere.
In dem Zeitalter der schlafenden Gletscher
verneige ich mich,
wie man zu einem Gebet sich beugt.
Und küsse
die Hände von den Ärzten und Hebammen
in der Leere.
In der Leere weiß ich,
sehe ich, dass es etwas gibt.
Es gibt
die noch nicht abgeholzten Bäume,
die noch nicht gerochenen Blumen,
die nach Nelken riechenden Felsen,
die noch nicht von der Sonne berührte Erde,
weder geteilte Felder noch
übereinander gestapelte Häuser.
Noch nicht bestiegene Fischerboote liegen am Ufer.
Langsam füllt sich die Leere.
Gül Witt