Ein blog über kunst und literatur von und mit dem künstler und dichter Murat Kayali.

Welch höfischer Luxus, welche Pracht! Ein angemessenerer Ort als dieser lässt sich für eine High End Antiquitätenmesse kaum vorstellen. In den Prunkräumen der Salzburger Residenz öffnet mit der Salzburg World Fine Art Fair (SWFAF) heute die kleinste unter den Top-Veranstaltungen für Kunst und Antiquitäten ihre Pforten für das erlauchtere Publikum. Rund 10.000 Einladungen wurden im Namen der 24 teilnehmenden Galerien in alle Welt verschickt. Es wurde überhaupt eine ganze Menge Aufwand getrieben, um das zahlungskräftige Festspielpublikum in die „Hallen“ zu bekommen. Dabei würde sich ein Besuch allein schon wegen der Möglichkeit lohnen, die Landkartengalerie besichtigen zu können, die für gewöhnlich dem Besucher verschlossen bleibt.
Die Premiere im letzten Jahr soll nicht so berauschend verlaufen sein, wie böse Zungen behaupten. Da lag die Veranstaltung eine Woche früher, parallel zur Premiere der Festspiele. Tatsächlich kamen auch nur 13.000 Besucher. Das waren allerdings immer noch mehr, als in Düsseldorf bei der zweiten Ausgabe der dortigen Messe. In Salzburg ist die Zahl der Aussteller jedoch wesentlich geringer. Rund die Hälfte von ihnen ist zum ersten Mal dabei, was auf der anderen Seite bedeutet, dass von den letztjährigen Teilnehmern die Hälfte nicht mehr mitmachen mag. Bruce Lamarche, Veranstalter der Salzburg World Fine Art Fair und der Schwester Moscow World Fine Art Fair begründet das damit, dass er die Top-Vertreter ihrer Spezialgebiete anziehen wollte. Das sei ihm auch gelungen: Bernheimer hat jetzt einen größeren Stand, der Antiquitätenhändler Jean-David Cahn ist neu dabei und die Galerie Française aus München ebenfalls. Das Fehlen der Franzosen liege daran, dass denen der August als Sommerpause heilig sei. Zudem haben die französischen Händler der ersten Garde schon Anfang September mit der Biennale des Antiquaires ihre Hauptveranstaltung. Überhaupt sei es ein Zeichen der Anerkennung, dass er immerhin ein Dutzend langjähriger TEFAF-Aussteller habe überzeugen können, im Ferienmonat zu arbeiten. Die Terminverschiebung begründet Lamarche mit der Belegung der Residenz durch die Salzburger Festspiele im Vorjahr. Insgesamt sei er mit dem Teilnehmerfeld sehr zufrieden.
Tatsächlich ist die Qualität des Präsentierten enorm und abwechslungsreich. Von der Antike bis zur Gegenwart reicht das Spektrum. Wie bei diesen Messen nicht ungewöhnlich, fällt das Niveau bei den Zeitgenossen jedoch etwas ab. Am umfangreichsten ist das Angebot bei Jugendstil und Klassischer Moderne, zu denen einheimische Künstler bekanntlich in erheblichem Maße beigetragen haben. Dass gerade die Wiener immer ein Faible für das Absonderliche hatten, führen Wienerroither & Kohlbacher vor Augen, die zwei kleine frühe Gouachen von Alfred Kubin präsentieren, in denen die fabulierende Fantasie des Zeichengenies drollige Volten schlägt. Kovacek aus Wien hingegen zeigen das gesamte Galerieprogramm ab dem Renaissanceglas, um das internationale Publikum zu erreichen, das sich hier gerade ein Stelldichein gibt. Darauf haben es auch die Lokalmatadoren Salis & Vertes abgesehen, die ihren Stand ausschließlich mit Papierarbeiten von Pablo Picasso bespielen. Dazu haben sie sich bei einigen Kollegen Ware geliehen. Das Spektrum reicht von 1921 bis zur letzten Lithographie aus dem Jahr 1972. Das teuerste Objekt am Stand ist eine farbige Kreidezeichnung aus dem Jahr 1946 für 550.000 Euro.
Ganz euphorisch ist Christian Eduard Franke aus Bamberg, der immerhin selbst eine eigene Messe in München angezettelt hat, die im Oktober im Haus der Kunst Premiere haben wird. „Das ist ein ganz internationales Publikum hier“, meint er, und zwar nicht nur während der Festspiele. „Ich mache schon seit Jahren die Messe zur Osterzeit mit. Die ist zwar etwas ländlicher, das Publikum jedoch nicht. Die kaufen hier zwar auch etwas für den Herrgottswinkel in ihrem Ferienhaus, aber wenn die eine Louis Quinze-Kommode sehen, dann schalten die auch sofort um.“ Ebenso zuversichtlich gibt sich der Doyen des deutschen Antiquitätenhandels, Albrecht Neuhaus aus Würzburg. Die veränderte Position im Kalender sieht er positiv: „Während der Premieren geht so eine Veranstaltung unter, selbst die Presse berichtet über nichts anderes“, erklärt er. Und viel wichtiger: „Jetzt sind auch die überseeischen Gäste hier.“ Rudolf Budja, die Instanz für Pop Art in Österreich war auch schon letztes Jahr zufrieden. Und er ist so zuversichtlich, dass er den prominentesten Platz an seinem Stand leer zu lassen riskiert, weil das Hauptwerk kurz vor der Vernissage noch immer unterwegs ist: ein Gemälde des China-Stars Liu Ye aus dem Jahr 2001, das satte 2,5 Mio. Euro kosten soll. Genauso viel wie ein „Wannseegarten“ von Max Liebermann beim Münchener Kunstsalon Franke. Dort ist man überzeugt: „Der läuft hier schon rum, der das kauft.“
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