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MJ und Kunst


Auf dem Höhepunkt von Jacksons Karriere schuf Jeff Koons die Ikone "Michael Jackson and Bubbles", 1988, Porzellan / 106,7 x 179,1 x 82,6 cm

INS KULTURELLE UNBEWUSSTE EINGEFRESSEN
Michael Jackson und die bildende Kunst – das war eine ziemlich einseitige Liebesbeziehung. Denn während fast alle großen Popkünstler irgendwann bei Jackson landeten, war sich der Sonnengott des Pop immer selbst Kunstwerk genug. Ein künstlerischer Nachruf.
// KITO NEDO, BERLIN

Mit dem plötzlichen Tod des Idols in Los Angeles am vergangenen Donnerstag ist nicht nur einer der ganz Großen der goldenen Pop-Ära der achtziger Jahre verschwunden, sondern es versiegt auch eine Inspirationsquelle für Künstler, die sich mit den gleißenden Oberflächen der Popkultur, den Extremen des Starkults oder zuletzt auch mit dem langsamen Untergang eines ehemals mächtigen kulturellen Zeichensystems der Reagan-Phase auseinandersetzen.

Dabei blieb es Jacksons fast gleichaltrigen Generationsgenossen und Landsmann Jeff Koons vorbehalten, das wohl ikonischste Jackson-Werk überhaupt zu produzieren: An Koons' Keramik "Michael Jackson and Bubbles" (1988) aus der Banality-Serie mit ihren makellosen, vergoldeten Porzellanoberflächen scheinen schon die ersten kursierenden schmutzigen und verrückten Gerüchte um Jacksons zunehmend exzentrisches Verhalten abzuperlen wie an einer Teflonoberfläche.

Die Reinheit des Popidols bleibt gewahrt, auch wenn das sinistre Grinsen des ähnlich wie Jackson gekleideten Schimpansen kaum vertrauenserweckend wirkt. Anders als im vier Jahre zuvor entstandenen Jackson-Porträt von Warhol, welches für das Titelblatt des "Times"-Magazin 1984 Verwendung fand, stellt Koons Jackson als Ausnahmefigur dar – während das ehemalige Mitglied der Jackson 5 für den älteren Warhol wohl nur ein Popsternchen unter vielen war: von Mick Jagger, Aretha Franklin, Grace Jones oder Prince existieren ähnliche Siebdruckporträts.




Als sich in den Neunzigern das öffentliche Bild Jacksons infolge von Skandalen und kommerziellen Misserfolgen zunehmend verdunkelt, finden sich auch in der Kunst vermehrt verzerrte Darstellungen, die sich der monströsen Seite ehemals kultisch verehrten Popstars widmen, wie etwa die beiden Skulpturen "Michael Jackson White" (1997-99) und "Michael Jackson Fucked Up (Big Head)" (2002) des Amerikaners Paul McCarthy. Ob Koons-Hommage oder Verulkung: Mit den deformierten Köpfen findet McCarthy eine Form für die Unwucht und das Angefressene, das Jacksons Bild in den Medien längst angenommen hat.

Fast nostalgisch wirkt hingegen "Foot Stompin" (1991), eine Plattencover-Collage von Christian Marclay. Jacksons 1982er Bestselleralbum "Thriller" dient als Basis zur Realisierung einer einfachen wie schönen Idee, die sich sowohl auf visuelle Stereotypen in der Gestaltung von Plattencovern bezieht und zugleich die große Zeit des Vinyls und seiner Cover-Art beschwört. Von "Thriller" handelt auch die Videoarbeit der Südafrikanerin Candice Breitz in der das Verschwinden Jacksons schließlich schon 2005 vorweggenommen wurde. Für "King (A Portrait of Michael Jackson)" filmte Breitz in Berlin 16 Jackson-Fans, wie sie sämtliche Titel des Albums lauthals mitsingen, während sie über Kopfhörer das Original hören. Obwohl der Star weder in Bild noch Ton anwesend ist, atmet die kollektiv-einsame Performance seiner Jünger ganz seinen Geist. Längst haben sich seine Songs und Choreografien ins kulturelle Unbewusste eingefressen. Endgültig verlassen wird Jacko uns also nie.



" Magazin ART"
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